Eine kurze Erklärung zu der verwendeten Musik

Über Geschmack lässt sich nicht streiten? Immer wieder beweisen Diskussionen über den gerade gespielten Titel das Gegenteil! Musik ist ein heikles Thema und bietet viel Platz für Gesprächsstoff. Der EINE hört den Takt mühelos, der ANDERE nicht. Das kann beim nächsten Lied genau umgedreht sein.

Natürlich spielen die Melodie und die persönlichen Erinnerungen, die bei einigen Musiktiteln unvermeidlich ins Gedächtnis "springen" auch eine bedeutende Rolle. Ob man mit einem Lied positive oder negative Erinnerungen verbindet, ist sehr individuell und kann leider nur selten vom Diskjockey berücksichtigt werden.

Wir legen zum großen Teil echte Tanzmusik auf. Cha Cha Cha, Rumba oder Salsa im Latino-Stil (Casa Musica), rassiger Tango und natürlich Discofox.Für alle Tänze gibt es auch sehr schöne Musik aus der goldenen Hollywood Ära, hier nur ein paar Namen: Frank Sinatra, Dean Martin, Sammy Davis Jr., Marylin Monroe, Doris Day, Cole Porter, Peter Lawford usw. In unseren Ohren klingt diese Musik nicht alt, sondern einfach zeitlos schön. Und das hier der Takt stimmt, sei nur am Rande erwähnt. Natürlich werden auch viele aktuelle Titel gespielt: "A Night Like This" von Caro Emerald ist ein sehr guter Cha Cha Cha oder "I Follow Rivers" in der Version von Triggerfinger ist eine sehr beliebte und gut zu hörende Rumba.

Ich höre was, wie Du's nicht hörst ... oder: Warum hört der eine den Takt und der andere nicht?

Aus der Neurologischen Abteilung der Universitätsklinik Heidelberg gibt es interessante Forschungsergebnisse zu bestaunen: Menschen hören das GLEICHE UNTERSCHIEDLICH. Es wurden Beweise gefunden, dass Menschen Tonhöhen meist unterschiedlich verarbeiten und wahrnehmen - was die gängige Lehrmeinung gänzlich über den Haufen wirft. Bei einem Test, bei dem kurz nacheinander zwei Piepstöne erklingen, kreuzen die Probanden nach jedem Tonpärchen an, ob der zweite Ton absteigend oder aufsteigend war. Der Test dauert knapp eine Minute und jedes mal geht ein deutliches Raunen durch die Sitzreihen. Denn während der EINE aufsteigend angekreuzt hat, beteuert der ANDERE, dass diese Tonfolge eindeutig absteidend war! Die Testleiter sind aber keineswegs erstaunt über die Ergebnisse. Ihnen ist schon bekannt, dass die Menschen sich in Oberton- und Grundtonhörer aufteilen. Unabhängig von Alter, Geschlecht, Beruf und Musikalität definiert diese Aufteilung, wie das Gehirn die Tonhöhe eines Klanges wahrnimmt. Jeder natürliche Klang setzt sich aus dessen Grundfrequenz, dem Grundton, und den Vielfachen dieser Frequenz, den Obertönen zusammen. Anzahl und Stärke dieser Obertöne machen erst den Charakter von Stimmen, Geräuschen und Instrumenten aus

Schon in der Mitte des 19. Jahrhunderts unterschied der deutsche Naturwissenschaftler Hermann von Helmholtz zwischen "synthetischem" Hören, bei dem Obertongruppen zu einer Art Klangmasse verschmelzen, und "analytischem" Hören, bei dem einzelne Obertöne bewusst wahrgenommen werden.

Selbst wenn die Grundfrequenz einmal fehlen sollte, weil sie von der Musikanlage nicht übertragen wird, setzt sich der Grundtonhörer die fehlende Grundfrequenz aus den vorhandenen Obertönen zusammen und legt somit für sich die Tonhöhe fest, während das Gehirn des Obertonhörers wiederum die Tonhöhe aus dem vorhandenen Obertonspektrum zusammensetzt. Die so entstehende Kluft zwischen den empfundenen Tonhöhen kann bis zu vier Oktaven betragen.

Aber nicht nur die Tonhöhe wird verschieden interpretiert. Auch die bevorzugten Instrumente oder Stilrichtungen sind verschieden. Den Grundtonhörer sprechen schnelle, kurze, scharfe Impulse und virtuose Fingerübungen an, der Obertonhörer mag lieber lange, getragenen Melodien und die Verarbeitung von Klangfarben. Kein Zufall also, dass sich der Gruntonhörer in der Wahl seiner Instrumente überdurchschnittlich oft für Schlagzeug, Gitarre, Klavier und hohe Soloinstrumente wie Trompete oder Querflöte entscheidet, während der Obertonhörer sich Instrumente aussucht, die oft lang ausgehaltene Töne mit charakteristischen Klangfarben spielen, z.B. Streicher, Blech- oder Holzblasinstrumente in tieferen Lagen, Orgel und Gesang.

Auch in der Spielweise lassen sich Unterschiede feststellen. Grundtonhörer lieben es rhythmisch oder virtuos, Obertonhörer favorisieren weite Melodiebögen und interessieren sich besonders für Klangfarben und Harmonien. Interessanterweise wird in einem modernen Orchester die "Sitzordnung" der Instrumente nach Grundton und Oberton getrennt. Von den Musikinstrumenten ist es nur noch ein kleiner Schritt hin zur Musik. Wenn der Tonmeister oder Leiter einer Band mehr Wert legt auf Rhythmus als auf Klangfarben, und das ist bei den meisten Tanzplatten der Fall, spricht das Ergebnis den Grundtonhörer an, während der Obertonhörer es weniger gut findet.

So lässt sich auch erklären, dass Menschen verschieden gut den Takt in einem Lied hören. Der Takt wird meistens von den Rhythmusinstrumenten übernommen und ist daher von den Grundtonhörern leichter nachzuvollziehen. Fängt eine neue Strophe immer auf der Eins an und wird vom Sänger schön betont, haben auch die Obertonhörer keine Schwierigkeiten, den Takt zu hören. Ist das in einem Lied aber nicht so klar gespielt - manchmal ist durchaus die Eins dadurch betont, dass eben nichts zu hören ist - dafür aber die Zwei, kommt der Obertonhörer durcheinander.

Liebe Obertonhörer, bitte jetzt nicht verzweifeln, denn auch hier macht Übung den Meister! Grundtonhörer haben es in diesem Fall zwar etwas leichter, aber keinesfalls sagt dieses Thema über die tänzerische Fähigkeit einer Person etwas aus! Und, mal Hand auf's Herz, wenn jemand partout nicht im Takt tanzen "möchte", fällt es meist nur dem Tanzlehrer auf und der wird es nicht weitersagen.